Dienstag, 10. September 2013

Statt Soja-Latte

In meiner heutigen Mittagspause war ich beim Biomarkt um die Ecke um mir eines der leckeren Brötchen zu kaufen. Vor dem Mark saß eine in die Jacke gewickelte Person auf dem Boden, die Hände vor das Gesicht gehalten, mit einer Flasche Biorotwein vor sich und einer Papiertüte des Marktes. Wenn ich so jemand sehe, frage ich mich immer warum. Was ist passiert, dass diese arme Person dort sitzen muss. Mich beschäftigt das den ganzen Tag und macht mich ziemlich traurig. Unser Luxus reicht doch für alle und unser Netz ist so sozial, dass es manchmal nicht auszuhalten oder zu verstehen ist. Aber hier muss sie sitzen, diese Person auf dem Boden.

Im Bioladen war ich total abwesend, die Gedanken schwirrten im Kopf. Ich wollte etwas für sie kaufen, aber was. Ein Tee bei dem kühlen Wetter? Aber mit Rotwein, nein. Brötchen, ne Wurst, Kekse, aber was schmeckt und was wird nicht gegessen. Dass der Biokram weggeworfen wird, wollte ich dann auch nicht.

Eigentlich gebe ich in solchen Fällen kein Geld, aber da ich mich nicht entscheiden konnte, habe ich die zwei Euro genommen, die ich heute eigentlich in eine Soja-Latte investiert hätte.

Ich lief direkt auf sie zu, es war eine kleine verwahrloste Frau mit verschmutztem Gesicht und Handschuhen an. Die grau-gelockten Haare hingen strähnig unter der Kapuze ihrer Jacke hervor. Sie bedankte sich sehr und lächelte mich an. Was sie mit dem Geld jetzt macht ist mir egal. Ich hoffe sie kauft sich etwas zu essen, wenn es wieder Rotwein wird, muss ich auch damit leben.

Es war sicher Berechnung sich vor den Biomarkt zu setzten, aber ich konnte nicht vorbei gehen ohne etwas zu geben. Ich hätte sicher mehr geben können. Andere könnten viel mehr geben. Die Verteilung ist nicht gerecht.

Manchmal ist es mir egal oder ich denke, dass ist nur ein Trick, wenn ich Menschen betteln sehe. Aber manchmal, so wie heute, sieht man die Verzweiflung und das macht mich unendlich traurig.

Schönen Abend an alle, die ein Bett und ein Zuhause haben.
Razi

1 Kommentar:

  1. Ich werde auch immer sehr nachdenklich, wenn ich so etwas sehe. Dann denke ich immer, dass ich schon teilweise für mein Geld hart arbeite und dass man Arbeit schon finden kann, aber ich denke dann an traurige Schicksale und will doch was geben...Ich hasse solche Situationen. Ich spende lieber dann bei Vereinen, online, da werde ich nicht beobachtet, ich entscheide, was angemessen ist und fühle mich danach besser.

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